Können wir uns Kinder leisten? Ein Rechenbeispiel.
Von: Andreas
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“Wir können uns keine Kinder leisten.” Nicht selten hört man diese Antwort von kinderlosen Paaren als Rechtfertigung für Ihr Leben in Zweisamkeit.
Ich halte das in den allermeisten Fällen für eine schwache Ausrede weil sie nicht den Schneid haben zu sagen, dass Sie keine Kinder wollen oder sich der Verantwortung nicht gewachsen fühlen.
Wenn Kinder eine Frage des Geldes wären, was machten dann die Hartz IV-Familien mit 2 und mehr Kindern?
“Kann ich mir Kinder leisten?” ist dennoch eine wichtige Frage, die sich viele Paare stellen bevor sie Kinder bekommen. Richtiger formuliert müsste sie eigentlich lauten: “Was kann ich mir zukünftig außer Kindern noch leisten?”.
In der Tat ist die Entscheidung zu einem Kind auch eine finanzielle Entscheidung. Es sind hierbei nicht die “Anschaffungs-” sondern vielmehr die “Betriebskosten” die ins Geld gehen. Geld, dass zukünftig nicht mehr für andere Dinge zur Verfügung stehen wird.
Was kostet ein Kind?
Das Statistische Bundesamt hat vor einiger Zeit ermittelt, dass ein Kind im Bundesdurchschnitt ca. 550 €/Monat kostet. Mehrere Kinder zu haben lohnt sich, nach Ansicht der Statistiker, denn dann sinken die pro-Kopf Ausgaben auf 474 € (wahrscheinlich dadurch, dass Kleidungsstücke aufgetragen werden, etc.).
Etwas detailierter sieht es wie folgt aus.
Die Anschaffung der Erstaustattung eines Kindes beläuft sich auf mindestens 3.000 €. Wer nicht nur das billigste kauft, muss realistisch mit ca. 5-6.000 € kalkulieren.
In den ersten 6 Lebensjahren geben Eltern für ein Kind im Schnitt 467 €/Monat aus. Dieser Betrag beeinhaltet alle sogenannten Konsumausgaben. Du musst nämlich auch berücksichtigen, dass sich der Energieverbrauch steigert. Es wird mehr geheizt und der Stromverbrauch steigt um über 100 € im Jahr.
Im Alter von 6-12 Jahren, also mit Beginn der Schulzeit steigen die Kosten für Kinder um 15-20% auf 570 €/Monat. Die Kosten für Kleidung und auch die Spritkosten steigen (im Schnitt um 40 €/Monat).
Die letzten 6 Jahre vor der Volljährigkeit sind die teuersten. 655 €/Monat, also weitere 15 % mehr, kostet Dein Kind dann im Schnitt. Die Kosten für Bekleidung steigen und auch der Bedarf an Nahrungsmitteln wächst gewaltig.
Bis hierhin hat Dich ein Kind ca. 128.000 € gekostet – exklusive Versicherungs- & Vorsorgekosten.
Realistisch gesehen ist hier aber nicht Schluss. Im Alter von 18 Jahren sind viele Kinder noch lange nicht finanziell unabhängig. Studium, Ausbildung und Co. kosten weiter Geld.
Gesteigerte Kosten, weniger Einkommen
Experten haben analysiert, dass Kinder 20 % des Haushaltseinkommens verbrauchen – in etwa so viel wie Miete. Jeder 5. Euro wird demnach für Kinder ausgegeben.
Fakt ist, dass neben den gesteigerten Kosten eine Familie mit Kindern meist auch über weniger Einkommen verfügt. Rund 63 % des Einkommens von kinderlosen Paaren haben Familien mit Kindern zur Verfügung.
Wie sind Kinder finanzierbar?
Wenn ich Dich bis hierher ziemlich geschockt haben dürfte (kaum jemand macht sich Gedanken darüber was ein Kind wirklich kostet), gibt es doch viele Möglichkeiten ein Kind zu finanzieren.
Zunächst einmal ist es wichtig alle Ausgaben zu kennen aber auch alle Einnahmen. Richtig, mit Kindern hast Du auch Einnahmen, die Du vorher nicht hattest und die helfen sollen das 37 %-Loch in Deinem Haushaltsbudget zu schließen.
- Da wäre zu allererst das Elterngeld. Der Staat zahlt Dir 12 Monate lang 67 % des Einkommens des Partners, der in Elternzeit geht. Mindestens 300 €, maximal 1.800 €.
- Ausserdem gibt es Kindergeld. 184 €/Kind für die ersten beiden Kinder, 190 € für das Dritte und ab dem Vierten gibt es 215 €/Kind.
- Neben dem Geld was Du bekommst, sparst Du auch noch Geld – nämlich Steuern. Das geht dank des Kinderfreibetrages. Im Jahr macht das 1.824 € plus 1.080 € Sonderbedarfsbetrag oder, bei zusammenveranlagten Paaren, 3.648 € plus 2.160 €, die Du weniger versteuern musst.
Ich empfehle, eine genaue Aufstellung aller Einnahmen und Ausgaben zu erstellen und Dir so einen Überblick über Deine finanzielle Situation zu verschaffen. Dabei musst Du überlegen welche Kosten Du mit Kind haben wirst. Es wird sich auf der Ausgabenseite einiges verändern. Du wirst mehr Geld für Baby- und Kindersachen ausgeben aber weniger für privaten Konsum wie Kino, Restaurant oder andere Dinge. Vielleicht fällt ja ein Arbeitsweg weg was Spritkosten spart oder gar ein Auto überflüssig macht, das verkauft werden kann?
Grundsätzlich hat sich bei uns folgende Faustregel bewährt:
- 70 % des Haushaltsbudgets für Lebenshaltung ausgeben (also Miete, Lebensmittel, etc.)
- 20 % für den Abbau von Schulden ausgeben (wenn Du keine Schulden hast, spar das Geld für größere Anschaffungen oder Investitionen wie Urlaub oder ein neues Auto)
- 10 % für Kapitalaufbau anlegen
Fakt ist und bleibt: mit einem Kind hast Du weniger Geld für Dich und Deine Bedürfnisse zur Verfügung.
Wird das Geld knapper, müssen die Ausgaben besser geplant werden und disziplinierter mit dem Geld umgegangen werden.
Wenn Du den Wunsch hegst Vater zu werden lohnt sich ein Blick auf Deine finanzielle Situation um Dich darauf einzustellen ob und wie ein Kind Deine persönliche Gesamtsituation verändern wird.
Wie viel ist Dir ein Kind wert?
Bei all der Rechnerei darfst Du eines nicht vergessen. Es ist nicht alles kalkulierbar. Kinder zu bekommen und zu haben ist und bleibt ein kleines Abenteuer.
Die wichtigste Frage ist nicht ob Du Dir ein Kind leisten kannst oder was was Du Dir ausser einem Kind dann noch leisten können wirst.
Die Frage ist, was ist Dir es wert ein Kind zu haben?


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