Können wir uns Kinder leisten? Ein Rechenbeispiel.

Von: Andreas

Lesezeit: ca. 4 Minuten

“Wir können uns keine Kinder leisten.” Nicht selten hört man diese Antwort von kinderlosen Paaren als Rechtfertigung für Ihr Leben in Zweisamkeit.

Ich halte das in den allermeisten Fällen für eine schwache Ausrede weil sie nicht den Schneid haben zu sagen, dass Sie keine Kinder wollen oder sich der Verantwortung nicht gewachsen fühlen.

Wenn Kinder eine Frage des Geldes wären, was machten dann die Hartz IV-Familien mit 2 und mehr Kindern?

“Kann ich mir Kinder leisten?” ist dennoch eine wichtige Frage, die sich viele Paare stellen bevor sie Kinder bekommen. Richtiger formuliert müsste sie eigentlich lauten: “Was kann ich mir zukünftig außer Kindern noch leisten?”.

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In der Tat ist die Entscheidung zu einem Kind auch eine finanzielle Entscheidung. Es sind hierbei nicht die “Anschaffungs-” sondern vielmehr die “Betriebskosten” die ins Geld gehen. Geld, dass zukünftig nicht mehr für andere Dinge zur Verfügung stehen wird.

Was kostet ein Kind?

Das Statistische Bundesamt hat vor einiger Zeit ermittelt, dass ein Kind im Bundesdurchschnitt ca. 550 €/Monat kostet. Mehrere Kinder zu haben lohnt sich, nach Ansicht der Statistiker, denn dann sinken die pro-Kopf Ausgaben auf 474 € (wahrscheinlich dadurch, dass Kleidungsstücke aufgetragen werden, etc.).

Etwas detailierter sieht es wie folgt aus.

Die Anschaffung der Erstaustattung eines Kindes beläuft sich auf mindestens 3.000 €. Wer nicht nur das billigste kauft, muss realistisch mit ca. 5-6.000 € kalkulieren.

In den ersten 6 Lebensjahren geben Eltern für ein Kind im Schnitt 467 €/Monat aus. Dieser Betrag beeinhaltet alle sogenannten Konsumausgaben. Du musst nämlich auch berücksichtigen, dass sich der Energieverbrauch steigert. Es wird mehr geheizt und der Stromverbrauch steigt um über 100 € im Jahr.

Im Alter von 6-12 Jahren, also mit Beginn der Schulzeit steigen die Kosten für Kinder um 15-20% auf 570 €/Monat. Die Kosten für Kleidung und auch die Spritkosten steigen (im Schnitt um 40 €/Monat).

Die letzten 6 Jahre vor der Volljährigkeit sind die teuersten. 655 €/Monat, also weitere 15 % mehr, kostet Dein Kind dann im Schnitt. Die Kosten für Bekleidung steigen und auch der Bedarf an Nahrungsmitteln wächst gewaltig.

Bis hierhin hat Dich ein Kind ca. 128.000 € gekostet – exklusive Versicherungs- & Vorsorgekosten.

Realistisch gesehen ist hier aber nicht Schluss. Im Alter von 18 Jahren sind viele Kinder noch lange nicht finanziell unabhängig. Studium, Ausbildung und Co. kosten weiter Geld.

Gesteigerte Kosten, weniger Einkommen

Experten haben analysiert, dass Kinder 20 % des Haushaltseinkommens verbrauchen – in etwa so viel wie Miete. Jeder 5. Euro wird demnach für Kinder ausgegeben.

Fakt ist, dass neben den gesteigerten Kosten eine Familie mit Kindern meist auch über weniger Einkommen verfügt. Rund 63 % des Einkommens von kinderlosen Paaren haben Familien mit Kindern zur Verfügung.

Wie sind Kinder finanzierbar?

Wenn ich Dich bis hierher ziemlich geschockt haben dürfte (kaum jemand macht sich Gedanken darüber was ein Kind wirklich kostet), gibt es doch viele Möglichkeiten ein Kind zu finanzieren.

Zunächst einmal ist es wichtig alle Ausgaben zu kennen aber auch alle Einnahmen. Richtig, mit Kindern hast Du auch Einnahmen, die Du vorher nicht hattest und die helfen sollen das 37 %-Loch in Deinem Haushaltsbudget zu schließen.

  • Da wäre zu allererst das Elterngeld. Der Staat zahlt Dir 12 Monate lang 67 % des Einkommens des Partners, der in Elternzeit geht. Mindestens 300 €, maximal 1.800 €.
  • Ausserdem gibt es Kindergeld. 184 €/Kind für die ersten beiden Kinder, 190 € für das Dritte und ab dem Vierten gibt es 215 €/Kind.
  • Neben dem Geld was Du bekommst, sparst Du auch noch Geld – nämlich Steuern. Das geht dank des Kinderfreibetrages. Im Jahr macht das 1.824 € plus 1.080 € Sonderbedarfsbetrag oder, bei zusammenveranlagten Paaren, 3.648 € plus 2.160 €, die Du weniger versteuern musst.

Ich empfehle, eine genaue Aufstellung aller Einnahmen und Ausgaben zu erstellen und Dir so einen Überblick über Deine finanzielle Situation zu verschaffen. Dabei musst Du überlegen welche Kosten Du mit Kind haben wirst. Es wird sich auf der Ausgabenseite einiges verändern. Du wirst mehr Geld für Baby- und Kindersachen ausgeben aber weniger für privaten Konsum wie Kino, Restaurant oder andere Dinge. Vielleicht fällt ja ein Arbeitsweg weg was Spritkosten spart oder gar ein Auto überflüssig macht, das verkauft werden kann?

Grundsätzlich hat sich bei uns folgende Faustregel bewährt:

  • 70 % des Haushaltsbudgets für Lebenshaltung ausgeben (also Miete, Lebensmittel, etc.)
  • 20 % für den Abbau von Schulden ausgeben (wenn Du keine Schulden hast, spar das Geld für größere Anschaffungen oder Investitionen wie Urlaub oder ein neues Auto)
  • 10 % für Kapitalaufbau anlegen

Fakt ist und bleibt: mit einem Kind hast Du weniger Geld für Dich und Deine Bedürfnisse zur Verfügung.

Wird das Geld knapper, müssen die Ausgaben besser geplant werden und disziplinierter mit dem Geld umgegangen werden.

Wenn Du den Wunsch hegst Vater zu werden lohnt sich ein Blick auf Deine finanzielle Situation um Dich darauf einzustellen ob und wie ein Kind Deine persönliche Gesamtsituation verändern wird.

Wie viel ist Dir ein Kind wert?

Bei all der Rechnerei darfst Du eines nicht vergessen. Es ist nicht alles kalkulierbar. Kinder zu bekommen und zu haben ist und bleibt ein kleines Abenteuer.

Die wichtigste Frage ist nicht ob Du Dir ein Kind leisten kannst oder was was Du Dir ausser einem Kind dann noch leisten können wirst.

Die Frage ist, was ist Dir es wert ein Kind zu haben?



  • http://myfamily.luxuskruemel.de luxuskruemel

    KLasse Zusammenfassung die einem mal aufzeigen kann wo das Geld so bleibt.

    Gruß
    C hris

    • http://www.papa-online.com PapaOnline

      Schon beachtlich, was da so zusammenkommt, oder?

      • http://myfamily.luxuskruemel.de luxuskruemel

        ja schon, aber darüber macht man(n) sich ja nicht wirklich Gedanken oder? Klar möchte man seinen Kindern etwas bieten können, aber ich denke auch das vielen heute auch die Relation zu Geld und Wert fehlt. Kinder brauchen ein stabiles Umfeld und das ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen, daran muss man arbeiten…

        Apropo Elterngeld, dies ist meiner Ansicht nach eines der größten Witze des letzten Jahrzehnts. Egal wieviel Prozent es letztendlich sind, der Hammer kommt immer im Folgejahr mit einer saftigen Steuernachzahlung, bei den meisten die ich kenne zumindest. Diese Nachzahlung ist meist in der Höhe eines Monatselterngeld oder gar mehr! Deshalb muss man diesen “Monat” finanziell gesehen auch von der Gesamtzeit abziehen.

        Gruß
        Chris

  • Anonymous

    Wir haben uns das vorher gar nicht überlegt, aber es sollte einem klar sein, dass man mit Kinder weniger Geld für sich hat.
    Mit der verfügbaren Zeit verhält es sich übrigens genau so! Beim Elterngeld sollte man (wie du in einem anderen Artikel schon geschrieben hast) auf die Steuerprogression achten! 

  • Henrik

    Mal wieder ein Super-Artikel, wenn auch sicherlich auf den ersten Blick etwas furcht einflößend. ABER: “Die Frage ist, was ist Dir es wert ein Kind zu haben?” kann ich nur 100%ig unterstreichen!Auch wir sind jetzt schon jeden Cent am umdrehen, aber ich freue mich schon tierisch auf die Geburt unserer “Prinzessin” im Dezember und (fast) alles was anschließend passiert!

    • http://www.papa-online.com PapaOnline

      Henrik glaube mir, die Vorfreude ist berechtigt.

  • Peter

    Der Kinderfreibetrag greift aber erst, wenn dadurch mehr als das bereits gezahlte Kindergeld rausspringt. Und dann bekommt man auch nur die Differenz zum Kindergeld gutgeschrieben. Ist also eher bei höherem Einkommen der Fall.

    • http://www.papa-online.com PapaOnline

      Puh, so tief bin ich in das Thema noch gar nicht eingestiegen. Lohnt sich aber bestimmt – vielleicht wird ja mal ein separater Beitrag draus. Danke für den Hinweis.

  • http://www.kidsaway.de Kerstin

    Auch gut zu wissen: Elterngeld “verfällt” sozusagen nach drei Monaten. Wer also aus was für Gründen auch immer es versäumt oder nicht geschafft hat, das Elterngeld innerhalb der ersten drei Monate nach Geburt zu beantragen, geht für weiter zurückliegende Elternzeit leer aus. Es wird maximal drei Monate im Nachhinein bezahlt.

    • http://www.papa-online.com PapaOnline

      Bist Du sicher? Ich meine das meine Cousine zu spät war aber alles bekommen hat.

      • http://www.kidsaway.de Kerstin

        Ja, sicher. Leider :-(

  • Knallfrosch

    67% Elterngeld stimmt so auch nicht. 1. sind es nur noch 65% und außerdem kommt es immer auf den Beruf an. Oftmals sind es nur noch knapp 50% weil unheimlich viel abgezogen wird (z.B. Zulagen (bei manchen ca.300 Euro pro Monat), Sonderzahlungen, aber auch Gehaltumwandlung!!!) So kann sein, daß, wenn man vorher 1600Euro auf die Hand hatte, nur noch 809Euro bekommt!!!!

    • http://www.papa-online.com PapaOnline

      Sit wann ist das denn mit den 65% so?

      • Sadomoto

        Das ist ganz unterschiedlich, ich denke es sind sogar bis zu 85 % des Einkommens, in Abhängigkeit davon, wie hoch es denn ist/war. Richtig ist, das alles, was nicht Lohn/Gehalt heisst abgezogen wird, sprich 13. Gehalt, Leistungszulagen usw.

        • Knallfrosch

          Verzeihung, wie kommst Du auf 85% wenn das Elterngeld nur 65% beträgt?????

      • Knallfrosch

        Seid Januar 2011

  • http://www.still-blog.de Gianna

    Wow – es ist wirklich interessant, was ein Kind so im Durchschnitt kostet. Dass sie nicht billig sind, war mir klar, aber dass es dann wirklich so viel ist, hätte ich nicht gedacht, vielleicht wollte ich es auch gar nicht so genau wissen ;)
    Wir haben nämlich 3 Kinder und da kommt dann ja wirklich ein ganzer Batzen zusammen lach

    Vielen herzlichen Dank für deinen tollen und auch kritischen Bericht!!!
    Gianna

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  • Andrea

    Donnerwetter! Das sind ja Summen. Aber ich fürchte, gerade bei Großstadtfamilien in teuren Städten ist das noch nicht alles. Wenn der Wohnraum teuer ist, mietet man nur soviel, wie man wirklich an Platz braucht, und das wird mit jedem Kind mehr.

    Ein Tipp: Wer ein Kind plant und vorhat Elterngeld zu beantragen, könnte über einen Wechsel der Lohnsteuerklasse nachdenken. Da bleibt zwar zunächst weniger Geld in der Tasche (was sich aber über die Einkommensteuererklärung wieder ausgleicht), dafür ist das Elterngeld höher, und das bleibt!

    • http://www.papa-online.com PapaOnline

      Danke für den Spezialtipp :-)

  • http://www.gutesbuybonn.de Birgit

    Eigentlich möchte man diese Summen gar nicht so genau kennen :) Wobei bei unserem 12 jährigen Sohn mir der Betrag noch höher vorkommt. Taschengeld, Klassenfahrten, Kindergeburtstage, Konsumwünsche und und… Aber irgentwie klappt es ja doch und wir haben nur ein kind. Andere Familien haben drei oder mehr Kinder, da sollte dann der finanzielle Aufwand multipliziert werden müssen.

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