Basiswissen Elternsein. Das kleine 1×1 für die wichtigste Aufgabe Deines Lebens.
Lesezeit: ca. 8 Minuten
Du möchtest ein guter Vater sein – ich auch. Deshalb habe ich mir zum Thema Erziehung ein paar Gedanken gemacht und vieles nachgelesen. Herausgekommen ist dieser Artikel in dem es um die Schwerpunkte des Elternseins, die verschiedenen Erziehungsstile und Elterntypen sowie die elementaren Fähigkeiten geht, die wir als Eltern drauf haben sollten.

Quelle: flickr cc-by right by gagilas
Elternsein und Dein Kind optimal auf sein Leben vorzubereiten ist die wohl größte, wichtigste aber auch schwierigste Aufgabe Die Du übernimmst. Dabei ändern sich die Probleme Deiner Kinder und die, die sie Dir bereiten, mit der Zeit und dem Alter. Sorgst Du Dich bei dem Kleinkind noch um die verschiedenen Kinderkrankheiten und um plötzlichen Kindstod, ist es wenige Jahre später der Einstieg ins Schulleben und nach weitere 4-5 Jahren zieht der Horror der Pubertät in Dein Leben ein.
Die Herausforderungen an Dich als Vater sind vielschichtig und das Ergebnis Deiner Leistung ist offensichtlich. Gibt es Probleme bei Kindern ist die Ursache in den allermeisten Fällen bei den Eltern und Ihrer Erziehung zu suchen.
Erfolgsfaktoren der Kindererziehung
Wie gut die Kindererziehung gelingt hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Elterntyp (dazu gleich mehr)
- soziales Umfeld
- Unterstützung aus der eigenen Familie (Eltern stehen heute alleine vor der Aufgabe die Kinder zu erziehen während vor 2 Generationen Großfamilien unter einem Dach die Regel waren und so die Großeltern, Onkel und Tanten bei der Erziehung mit Rat & Tat zur Seite standen)
- Bildung
- Natur des Kindes
Neulich morgens auf dem Weg zur Arbeit habe ich mir am Kiosk einen Kaffee geholt. Vor mir war eine junge Punkerfamilie, klassisch wie ich mir Punker so vorstelle – Piercing, Tattoo, bunte Haare. Im Schlepptau ihr kleiner Sohn, ca. 3 Jahre. Die beiden standen, rauchend, am Kiosk und pflegten einen etwas, sagen wir, raueren Umgangston untereinander. Als sie sich dann jeweils mit zwei Dosen Bier (9:00 morgens!) auf den Weg machten schüttelte ich mit dem Kopf. Der Kioskbesitzer meinte darauf nur “…heute waren sie wenigstens noch nüchtern…”.
Natürlich kann aus dem Jungen dieser beiden etwas werden. Vielleicht will er später aus diesem Umfeld ausbrechen und ein normales Leben führen. Doch die Chancen, die dieser kleine Mensch hat, sind alles andere als optimal.
Scherpunkte des Elternseins
Die meisten Probleme von Kindern sind psychologischer Natur und lassen sich verhindern in dem wir gute Eltern sind. Doch wie ist man ein guter Vater, eine gute Mutter? Diese Funktionen beeinhalten eine solch unfassbare Fülle an Aufgaben, dass es nicht leicht ist den Überblick zu behalten und sich auf die wesentlichen Dinge zu fokussieren. Deshalb hier die, aus meiner Sicht, wichtigsten Aufgaben, die wir als Eltern zu erledigen haben:
- Zeige Deine Liebe. Ein Kind muss wissen und spüren das es geliebt wird.
- Sicherheit vermitteln. Kinder müssen sich sicher und Geborgen fühlen. Das zu Hause ist der Hafen und wir müssen dafür sorgen, dass sich unsere Kinder bei uns sicher fühlen.
- Selbstvertrauen stärken. Kinder brauchen Selbstvertrauen und es ist die Aufgabe der Eltern, dieses Selbstvertrauen der Kinder aufzubauen und zu stärken.
- Flexibel bleiben. Jedes Alter der Kinder erfordert andere Maßnahmen und Einstellungen von uns als Eltern. Es gibt kein allgemeingültiges Rezept für das Großziehen von Kindern.
- Offen und ehrlich kommunizieren. Mit Kindern, egal welchen Alters, muss offen und vor allem ehrlich gesprochen werden. Nur wenn Kinder Feedback bekommen merken sie was gut oder weniger gut ist und können sich entsprechend verhalten.
- Zuhören statt hinhören. Wenn Dein Kind Dir etwas erzählt, höre richtig zu anstatt nur beiläufig hinzuhören und abwesend “hm” zu brummen. Kinder brauchen Aufmerksamkeit und das Gefühl ernstgenommen zu werden.
- Vertraue in Deine Fähigkeiten als Elternteil. Als Vater zweifelst Du an dem einen oder anderen Punkt ob Du alles richtig machst, ob Du ein guter Vater bist. Sei selbstbewusst und vertraue in Deine Fähigkeiten und Du wirst dieses Selbstvertrauen ausstrahlen. Das gibt Deinem Kind das gute Gefühl, dass Du weißt was Du tust und ihm so mehr Sicherheit vermitteln.
Verschiedene Erziehungsstile
Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Stile entwickelt und herauskristallisiert, wie Eltern ihre Kinder erziehen:
- Bestimmend Als bestimmender Vater hast Du ein klares Verständnis Deiner Roller als Vater. Du weißt wo Du stehst und wie Du Deine Kinder erziehen möchtest. Wenn es Ansagen zu machen gibt, gibst Du diese bestimmt und selbstbewusst so dass Dein Kind weiß woran es ist, ohne vor Ehrfurcht zu schlottern.
- Autoritär Als autoritärer Vater sind Deine Ansagen ähnlich bestimmt und klar wie als bestimmender Vater, jedoch legst Du deutlich mehr Wert auf die Durchsetzung Deiner Anweisung und auf die Beachtung und Wahrung Deiner Autorität. Du bist meist schneller zu Sanktionen geneigt. Ein Fußballbeispiel trifft den Unterschied am besten. Joachim Löw ist als Trainer eher von der bestimmenden Sorte während der ehemalige FC Bayern Coach Louis van Gaal definitiv dem autoritären Stil zuzuordnen ist.
- Antiautoritär Väter, die lieber antiautoritär erziehen, lassen Ihre Kinder den eigenen Weg gehen, meist ohne sich groß einzumischen. Es gibt keine strikten Regeln wie sich zu verhalten ist und nur wenige feste Werte die zu vermitteln sind. Der antiautoritäre Vater übernimmt nur wenig Verantwortung für die Erziehung des Kindes und ist, um beim Fussball zu bleiben, der Schiriassisten an der Seitenauslinie.
Die Elterntypen
So wie es verschiedene Erziehungsstile gibt, so gibt es auch verschiedene Arten von Elterntypen:
- Der Berater Als Berater-Vater zeigst Du Deinem Kind Wege auf wie es Dinge machen kann und erklärst die Vor- und Nachteile. Du lehrst was es heißt Verantwortung zu übernehmen und selbstbewusst durchs Leben zu schreiten. Wenn Du etwas gut findest oder auch wenn Du etwas nicht gut findest, sagst Du es offen und ehrlich damit Dein Kind weiß woran es liegt. Liegen Entscheidungen an zeigst Du Deinem Kind, wie es diese Entscheidung treffen kann und bringst ihm so bei, diese zukünftig selbst zu treffen.
- Der Helikopter Bist Du ein Helikopter-Vater, willst Du Dein Kind vor allem negativen bewahren. Du nutzt Deine Lebenserfahrung um ihm gefahrlose Wege zu zeigen damit nichts passieren kann. Du übernimmst die Verantwortung für das Kind in dem Du vorweg gehst und Dein Kind Dir folgen soll. Kritik hälst Du von Deinem Kind fern, auch wenn es sich mal daneben benimmt. Du möchtest nicht, dass Dein Kind negativen Gefühlen ausgesetzt ist. Um sicher zu gehen, dass Dein Kind keine Entscheidungen trifft, die negativ für es sind, übernimmst Du alle Entscheidungen und triffst sie für Dein Kind.
- Der Driller Du bist der Driller-Vater, Du bestimmst wo es im Leben Deiner Kinder langgeht. Kindergarten, Schule, Job, Partner, Wohnort – Deine Entscheidung. Natürlich willst Du, dass Dein Kind Verantwortung übernimmt aber Du sagst wie diese Verantwortung übernommen wird. Angst davor, dass Dein Kind sich schlecht fühlt hast Du nicht, denn Du sagst Deinem Kind wie es sich fühlt. Bei Entscheidungen bist Du der erste Ansprechpartner für Dein Kind denn Du sagst ihm welche Entscheidungen es zu treffen hat.
Die elementaren Fähigkeiten von Eltern
Eltern zu sein ist eine Lebensaufgabe die wir uns selbst gestellt haben. Es ist eine sehr komplexe Aufgabe, da sich die Anforderungen ständig ändern, wir immer situativ entscheiden und handeln müssen und keine Situation der vorherigen ähnelt. Als Eltern müssen wir deshalb gewisse Grundfähigkeiten entwickeln um diesen Anforderungen gerecht zu werden:
- Erwartungen, die wir an die Kinder und unseren Partner haben, entwickeln und diese klar und offen den anderen mitteilen. Nur wer weiß wohin die Reise gehen soll und die anderen auf dieses Ziel einschwört kommt dort auch an.
- im größten Tumult die Ruhe bewahren und nicht in Panik ausbrechen
- bestehende Regeln mit positiver Konsequenz und vor allem Einheitlichkeit umsetzen. Nichts ist für Kinder verwirrender als wenn sie heute mit einer Sache durchkommen und morgen nicht. Oder noch schlimmer, wenn sie heute eine Sache dürfen und morgen nicht. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die gleichen Sachen bei Mama und bei Papa erlaubt bzw. nicht erlaubt sind und es auch überall die gleichen Konsequenzen gibt. Das erfordert viel Austausch der Eltern.
- Vorbild sein. Klingt so einfach und ist doch so schwer. Wenn die Punker, die ich eingangs erwähnte, jedoch glauben dass Ihr Kind ganz anders wird als sie, liegen sie zu 90 % falsch.
- richtig loben. Kritik ist für Kinder super wichtig. Kritik klingt immer etwas negativ, ist es aber gar nicht. Positive Kritik, oder Lob, ist es was Kinder auf ihrem Weg bestätigt. Wenn Du den nicht gemeckert ist genug gelobt-Ansatz verfolgst verpasst Du die machtvolle Chance Deine Kinder positiv zu bestärken und ihnen zu zeigen, welche Dinge sie richtig machen. Kinder machen lieber mehr Dinge für die sie gelobt werden als sie Dinge lassen für die sie angemeckert werden.
Ich muss zugeben, dass mir bei der Recherche und des Schreibens dieses Artikels klar geworden ist, wie wichtig es ist als Vater aber auch als Eltern zu wissen wo man selbst steht. Mit Sicherheit ist vieles nicht so schwarz/weiß wie oben beschrieben. Es gibt nicht die Helikopter-Eltern oder den autoritären Erziehungsstil. In Wahrheit, und so ist es doch mit vielem, mischt sich alles je nach Typ und Situation.
Willst Du ein guter Vater sein, ist es wichtig sich die Zeit zu nehmen um zu überlegen welche Art von Vater Du sein willst. Welche Werte willst Du mitgeben, was ist Dir wichtig, wie willst Du mit Deinem Kind zusammenleben? Wenn Du das für Dich, wenn Ihr das für Euch klar habt, dann ergibt sich alles andere aus dieser, wenn Du so willst, Grundeinstellung.
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