Alles was Du über Kindersitze wissen solltest

Ein guter Freund, der gerade zum ersten Mal Vater wird, hat mich an etwas erinnert, dass ich schon fast vergessen hatte. Bei den vielen Anschaffungen für das Kind denkst Du nicht weiter darüber nach ob Du es kaufst.

Die meisten Anschaffungen sind alternativlos und das macht das Geld ausgeben für Kinder viel leichter.

Wahre Worte.

kindersitz

Quelle: Flickr. CC-BY Rechte von mueritz

Auf der Liste dieser alternativlosen Dinge befindet sich der Kindersitz – im Fachjargon, Rückhaltevorrichtung genannt. Schon ab dem ersten Tag brauchst Du eine solche Vorrichtung. Spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem Du Dein Kind mit dem Auto aus dem Krankenhaus abholst.

Grund genug, sich ausführlich mit diesem wichtigen Thema zu beschäftigen. Welche Lösungen gibt es, worauf musst Du achten, welche Tricks solltest Du kennen?

Welche Sitze gibt es und wann braucht mein Kind welche Art von Sitz?

Kindersitze sind in verschiedene Klassen unterteilt. Los geht es mit der Klasse 0, die Babyschale für die erste Autofahrt vom Krankenhaus nach Hause. Im Alter von ca. zwölf Jahren ist der letzte Kindersitz eine Sitzerhöhung der Klasse III.

In der Regel sind die Klassen den Gewichten des Kindes zugeordnet. Ein normal gebautes Kind wächst aus einem Sitz heraus, bevor es das maximal zulässige Gewicht für einen Sitz erreicht. Nur wenige Kinder fahren einen Sitz bis zur Gewichtsobergrenze.

Sitzklassen und Gewichte in der Übersicht:

  • Klasse 0 – Gewicht bis 10 kg / Sitz wird entgegen oder quer zur Fahrtrichtung gefahren
  • Klasse 0+ – Gewicht bis 13 kg / Sitz wird entgegen der Fahrtrichtung gefahren
  • Klasse 0+ bis I – Gewicht bis 18 kg / Sitz muss bis zu einem Gewicht von 9 kg entgegen der Fahrrichtung gefahren werden und kann danach in Fahrtrichtung gedreht werden
  • Klasse I – ab 9 kg bis 18 kg / darf in Fahrrichtung oder entgegen der Fahrtrichtung gefahren werden
  • Klasse II – ab 15 kg bis 25 kg / ab dieser Klasse wird in der Regel in Fahrtrichtung gesessen
  • Klasse II-III – ab 15 kg bis 36 kg
  • Klasse III – ab 22 kg bis 36 kg / Klasse III Sitze sind Sitzerhöhungen

Übrigens, jede dieser Sitzlösungen darfst Du auf allen Beifahrersitzen im Auto befestigen. Auch auf dem Vordersitz.

Welchen Kindersitz kaufe ich?

Richtiger ausgedrückt lautet die Frage: wie viele Kindersitze kaufe ich?

Wie Du anhand der verschiedenen Klassen siehst, wirst Du nicht mit einem Kindersitz auskommen. Du wirst zwei oder mehr Sitzgelegenheiten kaufen, die Babyschale und mindestens noch einen weiteren Kindersitz.

Du stehst vor der großen Auswahl verschiedener Kindersitze und musst Dich für Deine Kombination der Möglichkeiten entscheiden.

Du kannst z. B. eine Babyschale der Klasse 0 kaufen und auf einen Sitz der Kasse I umsteigen. Passt der nicht mehr, kommt ein Sitz der Klasse II bevor die Sitzerhöhung der Klasse III ansteht. Das ist die individuellste und teuerste Lösung. Bedenkst Du, dass ein Kindersitz der Klasse I und II 200 € kostet, investierst Du für Sitze schnell 550 – 600 €.

Wir wollten dieses Geld nicht ausgeben und haben uns für eine, wie wir finden, smartere Kombination entschieden.

Angefangen haben wir mit einer Klasse 0+ Babyschale und sind auf einen Klasse I-III Kombisitz von Kiddy umgestiegen. Der Vorteil dieses Sitzes ist, dass er mit dem Kind mitwachsen kann. Mitwachsende Sitze  kosten in der Regel 25-30 % mehr als ein Klasse I oder Klasse II-Sitz. Die Mehrkosten rechnen sich weil der Kauf eines weiteren Kindersitzes wegfällt.

Expertentipps für den Kindersitzkauf

Gerade wenn Du Dich für einen Mehrklassensitz entscheidest, musst Du bedenken, dass der Sitz bis zu 10 Jahre Euer Begleiter sein wird. Daher ist es ratsam beim Kauf auf pflegeleichte Materialien und Farben zu achten. Einige Hersteller bieten auswechselbare Bezüge an.

Ein weiterer Expertentipp für den Kauf eines Kindersitzes ist, den Sitz vor dem Kauf im Auto zu installieren. Nimm das Auto, in dem der Sitz vornehmlich gefahren wird, mit zum Fachmarkt und lass Dir von einem Verkäufer zeigen wir er fachgerecht eingebaut und das Kind darin angeschnallt wird.

Das gilt besonders bei ISOFIX Sitzen, damit Du weißt wie es geht und sicherstellen kannst, dass der Sitz gut ins Auto passt.

Bei Sitzen der Klassen I, II & III ist es ratsam das Kind Probe sitzen zu lassen. So erkennst Du ob der Sitz passt und ob die Gurtführung geeignet ist. Danke an Henrik, der diese Ergänzung als Kommentar vorgeschlagen hat.

Kann ich einen gebrauchten Kindersitz kaufen?

Ein Kindersitz ist für die Sicherheit Deines Kindes im Auto sehr wichtig. Deshalb gehört er für mich auf die Liste der Dinge, die Du neu kaufen solltest.

Wenn Du einen gebrauchten Sitz kaufen möchtest, untersuche den Sitz genauestens auf eventuelle Beschädigungen.

Ein Kindersitz muss heute die Normen ECE-R 44-03 oder besser noch ECE-R 44-04 erfüllen.

Kaufst Du einen gebrauchten Sitz, achte auf das Prüfsiegel am Sitz oder auf den entsprechenden Vermerk in der Gebrauchsanweisung.

Sitze, die den Normen ECE-R 44-01 oder ECE-R 44-02 entsprechen, sind nicht mehr für den Straßenverkehr zugelassen!

Was passiert wenn mein Kind ohne Kindersitz mitfährt?

Apropos, Polizei. Solltest Du es unterlassen Dein Kind in einer geeigneten Rückhaltevorrichtung umherzufahren drohen, neben den Unfallrisiken für Dein Kind, rechtliche Konsequenzen.

Fahren ohne Kindersitz wird als grob fahrlässiges Verhalten mit 1 Punkt in Flensburg und einem Bußgeld von 40 € geahndet. Solltest Du mit einem Sitz umher fahren, der nicht mehr der aktuellen Norm entspricht, bekommst Du ein Verwarnungsgeld von 30 € aufgebrummt. Im Schadensfall riskierst Du in beiden Fällen Deinen Versicherungsanspruch.

Achtung übrigens, wenn Du einen ausgedienten Kindersitz verkaufen möchtest. Wenn Du einen Kindersitz nach Österreich verkaufst, der nicht mehr den aktuellen Sicherheitstandards genügt, droht Dir eine Strafe von bis zu 5.000€ – auch bei Privatverkäufen.

Frage an Dich als Leser: welche Sitzkombination ziehst Du vor und welche Vor- bzw. Nachteile siehst Du?

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