Viele Männer haben Angst vor der Geburt und überlegen sich ob sie bei der Geburt dabei sein wollen oder sollen. Darum geht es in diesem Artikel. Du erfährst, welche 3 Fragen ich mir gestellt und beantwortet habe, um diese Entscheidung für mich zu treffen.
Als Du gehört hast, dass Deine Frau schwanger ist, war da nur Freude. Die letzten Monate konntest Du es kaum erwarten, Dein Kind in den Armen zu halten.
Jetzt, da der Tag der Geburt näher kommt, ist da zwar immer noch Freude aber auch noch ein anderes Gefühl.
Ist es Angst?
Der Gedanke der Geburt lässt Dich zweifeln. Du fragst Dich, ob Du dabei sein solltest. Lass mich versuchen, Dir dabei zu helfen Deine Gedanken zu sortieren, damit Du die richtige Entscheidung triffst.
Es ist ja nicht so, dass Du der erste und einzige Mann bist, der sich solche Gedanken macht.
Vor 30 Jahren hatten es die Männer noch „einfacher“. Damals war es Standard vor dem Kreißsaal zu warten, bis die Hebamme den Mann rein gerufen und ihm sein frisch gebadetes Baby übergeben hat.
Im letzten Drittel von Steffis Schwangerschaft, als die Geburt von Leopold nur noch wenige Wochen bevorstand, habe ich auch kalte Füße bekommen.
Ich hatte tausend Gedanken und war wirklich nicht sicher was ich tun sollte.
Mir haben damals drei Fragen geholfen, die ich für mich beantwortet habe. Ich möchte gar nicht angeben und so rüber kommen als wäre ich der total reflektierte und rationale Typ.
Mir haben Freunde geholfen diese Fragen zu beantworten. Dieser Freund könnte ich heute für Dich sein und hoffentlich helfen Dir die drei Fragen, für Dich die richtige Entscheidung zu treffen.
Wovor hast Du Angst?
Bei dem Gedanken an die Geburt schießen Dir bestimmt tausend Dinge durch den Kopf. Bei mir war das damals so. Doch vor was hast Du am meisten Angst?

Ist es bei der Geburt einfach nur das Gefühl hilflos zu sein, weil Du nichts tun kannst? Du bist ein Macher, suchst immer nach einem Weg, aber auf einmal stehst Du da und kannst eigentlich gar nichts tun.
Ist es die Angst, dass Du vielleicht sogar hinderlich bist? Dass Du bei der Geburt im Weg stehst und so die Leute im Kreißsaal nicht Ihre Arbeit tun können?
Ist es die Angst, dass Du Deine Frau nach der Geburt vielleicht mit anderen Augen siehst?
Eine Geburt ist eine Extremsituation. Viel Schmerzen, Blut und andere Dinge, die Du sehen könntest, haben sicher das Potenzial ein Trauma auszulösen. Du möchtest einfach beim nächsten Mal, wenn Du Deine Frau nackt siehst, keinen Flashback an die Kreißsaal Situation erleben.
Ist es die Angst, dass Dir alles zu viel wird, Dein Körper dicht macht und Du in Ohnmacht fällst? Deine Frau macht viel durch und Du, das starke Geschlecht, fällst um wie ein Grashalm im Wind.
Wenn Du weißt, warum Du vor der Geburt vielleicht Angst hast und deshalb lieber nicht dabei wärst, kannst Du den nächsten Schritt angehen.
Wie kannst Du verhindern das passiert, wovor Du Angst hast?
Die meisten Dinge, vor denen Du Angst hast, lassen sich irgendwie aushebeln.
Angst ist irrational und bei der Entscheidung, ob Du bei der Geburt dabei bist oder nicht, willst Du Dich nicht nur von Gefühlen leiten lassen.
Überlege Dir zu Deinen Ängsten, was Du tun kannst, um zu verhindern, das eintritt, wovor Du Angst hast.
Du hast Angst bei der Geburt hilflos zu sein
Gerade, wenn es Deine erste Geburt ist, weißt Du noch gar nicht, was Dich erwartet. Das kann Dir auch ein Vorbereitungskurs nur bedingt liefern. Es hilft aber schon enorm, wenn Du weißt, was bei der Geburt passiert.
Nicht immer geht alles glatt, von daher ist es auch ratsam zu wissen, was passieren kann, wenn es Komplikationen gibt. Sollte dann etwas nicht nach Plan laufen, verfällst Du nicht in Panik, sondern hast das schon einmal gehört und weißt, was zu tun ist.
Das ist auf der einen Seite eine gute, mentale Vorbereitung, es hilft Deiner Partnerin und Dir aber auch, Vorkehrungen zu treffen. Sprecht ab, was im Fall von Komplikationen zu tun ist. Soll es eine PDA geben, wenn die Schmerzen zu stark werden, welche Medikamente verträgt Deine Frau nicht und vor allem, wer darf wann, was entscheiden? Gerade letzteres ist besonders bei nicht verheirateten Paaren wichtig.

Die Angst davor, im Weg zu stehen
Wenn Du Dich damit auseinandergesetzt hast, was bei der Geburt passiert (wenn auch nur theoretisch), kannst Du Deine Rolle definieren. Sprich dafür mit Deiner Frau darüber, was Deine Aufgaben bei der Geburt sein soll.
Bist Du derjenige, der ihr hilft beim Atmen im Takt zu bleiben und die Hand hält? Oder hältst Du sie aktiv von hinten fest, beispielsweise wenn Ihr eine sitzende Geburt anstrebt?
Sprecht Euch ab, wie Deine Rolle aussehen kann und vereinbart Zeichen und Absprachen, die weniger Worte bedürfen. Vielleicht sprecht Ihr ab, dass Du Deiner Frau die Schultern massierst. Wenn Sie das im Eifer des Gefechtes aber dann doch nicht haben kann, sollte Sie Dir das ohne viele Worte mitteilen können.
Die Angst davor, Deine Frau danach mit anderen Augen zu sehen
Eine Geburt ist eine Stresssituation, keine Frage. Dir hier etwas anderes vorzumachen, wäre nicht fair. Wenn es Dir zu viel wird, gönne Dir eine Pause. Geh kurz vor die Tür oder an die frische Luft. Bei den meisten Geburten hast Du die Zeit.
Vielleicht ist das etwas, dass Ihr auch im Vorfeld besprechen könnt, sodass Deine Frau bei der Geburt weiß, was mit Dir los ist.
Lesetipp: Deine Frau hat auch Angst
Solltest Du Sorge haben, dass Du vielleicht Deine Frau nach der Geburt nicht mehr sexuell attraktiv findest, wenn Du “zu viel gesehen” hast, dann bleib bei der Geburt, besonders die letzten Minuten, lieber oberhalb der Gürtellinie stehen (diesen Tipp fand ich besonders hilfreich).
Du kannst diese Angst auch in etwas Positives drehen. Sieh es sportlich. Ihr habt eine große Herausforderung, vor der Ihr gemeinsam steht. Du darfst Deine Frau danach ruhig mit anderen Augen sehen. Es ist dann nämlich die Frau, die Dein Kind geboren und dabei unglaubliches geleistet hat. Du warst an Ihrer Seite und hast Ihr die Kraft gegeben, die Sie braucht. So ein Ereignis erlebst Du wahrscheinlich nur mit einem Menschen. Das schweißt zusammen.

Wirst Du es irgendwann bereuen das zu verpassen?
All die Ängste, die Du Dir über die Geburt machen kannst sind nichts im Vergleich zu einer ganz anderen Angst.
Der Angst, etwas zu verpassen.
FOMO – fear of missing out. Das ist nämlich auch etwas, dass Du bei all den düsteren Gedanken über den Verlauf der Geburt nicht vergessen solltest. Diese Angst ist schlimmer als alle anderen Ängste zusammen.
Warum?
Weil sie anhält und sich irgendwann in Bedauern verwandelt, dass Du vielleicht Dein ganzes Leben nicht mehr los wirst.
Die Geburt Deines Kindes ist ein einmaliges Erlebnis. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich kann mir keinen erhebenderen Moment vorstellen als den, als ich meinen Sohn und meine Tochter das erste Mal gesehen habe.
Sie waren wenige Sekunden alt. Ich habe Sie mit der Schere von meiner Frau getrennt, im Arm gehalten, gewaschen und angezogen. Ein magischer Moment, den ich um nichts in der Welt missen möchte.
Ein Moment in dem alle Sorgen und Ängste wie weggeblasen waren. Es war auf einmal egal, wie viel Blut da war.
Auch die Minuten und Stunden danach hatten etwas ganz besonderes. Unsere frische, kleine Familie lag gemeinsam im Krankenzimmer. Wir hatten unser neugeborenes Kind in den Armen und haben diesen Moment genossen.
Wir haben es geschafft, gemeinsam. Ich war so stolz auf meine Frau, wie sie das durchgezogen hat. Meine Frau war so dankbar für die Unterstützung, die ich ihr gegeben habe. was bei der Geburt passiert
Und jetzt?
Ein komisches Gefühl, Respekt oder sogar Angst vor der Geburt zu haben ist nicht ungewöhnlich. Je eher Du Dich damit abfindest und damit umgehst desto besser.
Es ist kein Grund nicht bei der Geburt dabei zu sein, nur weil Du Angst hast.
Ich hoffe, Dir helfen die drei Fragen, ein bisschen Deine Antwort zu finden. Wenn Du mit dem Gedanken spielst, ob Du bei der Geburt dabei bist oder nicht, notiere
- wovor Du Angst hast
- wie Du verhindern kannst, dass eintritt, wovor Du Angst hast
- was Du verpassen könntest
Etwas noch – es ist Deine Entscheidung, bzw. Eure. Lass Dir nicht hereinreden oder den Standard anderer aufzwängen.
Hallo Susanne
danke für Deinen Kommentar aber zum Kinder machen und Kinder bekommen gehören für mich immer zwei.
Klar bleibt das Kind wahrscheinlich nicht drin, wenn der Mann nicht dabei ist und jede Frau kann ein Kind auch ganz alleine gebähren.
Für unsere Familie war es aber genauso wichtig die Geburt gemeinsam meistern.
Es geht hier gar nicht darum wer sich hier wichtig nimmt. Es geht darum dieses einmalige Erlebnis gemeinsam zu meistern.
Entschuldige, aber deine Rolle bei der Geburt war genauso wichtig wie die deiner Frau? Hast du das Kind etwa zur Welt gebracht?
Ich glaube, du unterschätzt die enormen Strapazen einer Schwangerschaft und Geburt ganz enorm. Nehmt euch nicht ganz so wichtig, Männer, und schätzt die Leistung eurer Frauen, die EUER Kind (nicht DEIN Kind) auf die Welt bringt.
Liebe Grüße von einer im 9. Monat schwangeren Frau.
Danke Thorsten. Ih hatte Björn schon mal beim mir im Podcast. Das neue Buch wollte ich mir auch mal ansehen. Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung unseres Interviews…
Ich finde es total wichtig, dass der Vater bei der Geburt anwesend ist. Bei einer Geburt arbeiten Mutter-Vater und das Baby im Team und dabei ist die Rolle des Vaters genau so wichtig wie die der Mutter. Ich bin selber Vater und unser Kind ist in einer Hausgeburt auf die Welt gekommen. Ein kraftvolles Erlebnis, wo wir als Eltern die volle Verantwortung übernommen haben und mir keine Hebamme oder Arzt gesagt hat wo ich mich hinstellen oder hinsetzen darf. Meine Ängste wurden genommen als ich das Buch „Bevaterung“ von Björn Leimbach gelesen habe. Absolute Empfehlung für alle Männer!