Dein Baby schreit und Du bist mit der Situation überfordert. So geht es vielen Vätern und darum geht es in diesem Artikel. Du erfährst, wie Du analysierst, was der Grund für das Schreien ist. Und Du bekommst die passenden „Gegenmaßnahmen“, damit Dein schreiendes Kind keinen Schweißausbruch mehr bei Dir hervorruft.
Hast Du Angst davor mit Deinem Baby alleine zu sein?
Vielleicht ist Angst in diesem Zusammenhang ein wenig übertrieben. Ungutes Gefühl trifft wohl eher zu.
Ein ungutes Gefühl, wenn die Mutter nicht in der Nähe ist, weil sie mal Zeit für sich oder für die Einkäufe benötigt. Du sitzt zu Hause mit dem Baby – allein. Was wenn es anfängt zu weinen? Was hat es? Was tue ich? Ich will doch nichts falsch machen!
Ich bin mir sicher, diese Gedanken haben viele, besonders junge, Väter.
Ist doch auch klar.
Gerade in den ersten Wochen ist das Kind fast ununterbrochen bei der Mutter und wird von ihr umsorgt. Väter sind dabei häufig Statisten. Wenn wir dann übernehmen sollen, fühlen wir uns unsicher, da wir nicht über ausreichend Routine verfügen.
Das Babys schreien ist normal. Wie sonst sollen sie sich mitteilen?
Neugeborene schreien bis zu 1,5 Stunden am Tag. Im Verlauf der nächsten 2-3 Monate steigt diese Zahl sogar auf 2,5 Stunden pro Tag an.
Das heißt aber noch längst nicht, dass es sich um Schreibabies handelt. Nur knapp 30 % der Babies fallen in diese Kategorie. Als solches gelten Babies, die über 3 Wochen hinweg, an mehr als 3 Tagen in der Woche, mehr als 3 Stunden schreien.
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Aber zurück zum Thema.
Die häufigste Ursache für Schreien ist übrigens nicht, wie oft vermutet, Bauchweh oder Koliken, sondern Reizüberflutung.
Meist bringen diese das Baby zwischen 16 bis 22 Uhr zum weinen, weil es die Reize des Tages verarbeitet. Blähungen können Wirkung aber nicht Ursache des Schreien sein, da Babys beim Schreien viel Luft schlucken, die dann Blähungen verursachen.

Also noch mal – das Babies schreien ist normal, doch viele Väter fühlen sich überfordert und geben das Kind schnell wieder an die Mutter weiter. Das muss nicht sein. Auch als Papa kannst Du Dein Kind prima beruhigen.
Dein Baby schreit? Schritt 1: Diagnose
Um zu wissen, wie Du das Baby beruhigen kannst, musst Du zunächst wissen warum es überhaupt weint. Es gibt vier grundsätzliche Schreiprofile.
Hunger:
- Schreiprofil: kurzes Schreien mit Pause
- Weitere Anzeichen: saugen an Fingern und Händen, Köpfchen dreht sich unruhig hin und her (Brustsuchmodus – auch bei bereits abgestillten Babies)
- Tipp: viele Babies haben, besonders in den ersten Monaten, einen festen Zeitplan. Sie essen alle 2-3 Stunden. Wenn die letzte Fütterung also entsprechend lange her ist, kannst Du mit größerer Sicherheit feststellen, ob dies der Grund für den Unmut Deines Kindes ist.
Langeweile:
- Schreiprofil: anfängliches quengeln wird zum späteren meckern und steigert sich in klagendes Schreien

Müdigkeit:
- Schreiprofil: zunächst leises Wimmern, das immer lauter wird
- Weitere Anzeichen: Gesicht wird weggedreht um zu signalisieren, dass es in Ruhe gelassen werden will. Das typische Augenreiben kommt erst nach ein paar Monaten. Ablenkungs- oder Beschäftigungsversuche werden, meist wütend, abgewehrt.
Schmerzen:
- Schreiprofil: hohe, schrille, langgezogene Schreie unterbrochen von angehaltenem Atem
- Weitere Anzeichen: Krümmung und ruckartiges Beineanziehen besonders bei Bauchschmerzen, zusammengepresste Augenlider, verkrampfter Mund, Falten um Mund oder Augen, zur Faust geballte Hand, die den Daumen fixiert, abgespreizte Zehen, beschleunigter Atem, Schweiß auf der Stirn, Kopf entweder blass oder hochrot
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Dein Baby schreit? Schritt 2: Maßnahmen
Nachdem Du, anhand der Schrei-Diagnose, eine Vermutung hast warum Dein Kind schreit, kannst Du damit beginnen Gegenmaßnahmen einzuleiten. Besonders wichtig ist es, nicht zu lange zu warten bevor Du Dich dem schreienden Kind widmest. Nach einiger Zeit schreien sich Babies in Rage, um mehr Beachtung zu bekommen. In diesem „Schrei-Modus“ ist es nicht mehr möglich, anhand des Schreiprofils, zu erkennen warum das Baby überhaupt schreit. Es wird deutlich schwieriger das Richtige zu tun um das Kind zu beruhigen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich das Kind nun nicht mehr so schnell abregen lässt.
Diagnose: Hunger
Eine der leichteren Aufgaben. Wenn Dein Kind Hunger hat, gib ihm was zu essen. Damit es nicht allzu lange dauert, empfiehlt es sich immer ein Fläschchen vorbereitet zu haben und bereits warmes Wasser in einer Thermoskanne bereit zu stellen. Wird Dein Kind hungrig, brauchst Du es nur noch zusammenzugießen, schütteln und fertig.
Nun haben wir Männer einen entscheidenden Nachteil – uns wurde keine Brust zum Stillen eingebaut. Ist Dein Kind noch die Brust gewohnt, ist hier Schluss für Dich. Du musst das Kind an die Mutter abgeben. In einigen Fällen klappt das Abpumpen, doch beim Stillen geht es nicht nur um das, was raus kommt, sondern auch das Gesamte drumherum. Den Hautkontakt und den Geruch, den das Baby von der Mutter kennt, kannst Du als Vater leider nicht bieten.

Diagnose: Langeweile
Ist Deinem Baby langweilig, lässt es sich relativ schnell beruhigen. Nimm es auf den Arm und sprich mit ihm. Das reicht häufig schon. Ein Baby zu beschäftigen macht viel Spaß. Schmusen, spielen und weitere 10 Dinge, die Du mit Deinem Baby machen kannst, sollten der Schreierei ein schnelles und dauerhaftes Ende bereiten – bis der nächste Hunger kommt.
Diagnose: Müdigkeit
Ist Dein Kind müde, hast Du erstmal Pause. Du kannst es nun in sein Bettchen legen oder, was noch schöner ist, Du legst Dich selbst aufs Sofa und bettest Dein Baby einfach auf Deinem Bauch. Der gleichmäßige Herzschlag in Deiner Brust und die Atemgeräusche werden ihm beim Einschlafen helfen.
Diagnose: Schmerzen
Wenn Babies schmerzen haben, dann sind es häufig entweder Bauchschmerzen oder die kommenden Zähne. Bei Bauchschmerzen und eventuellen Blähungen, ist es gut eine Bauchmassage zu machen. Hierzu streichst Du im Uhrzeigersinn über den Bauch Deines Babies. Bei Blähungen, kannst Du es zudem unterstützen, in dem Du die Beine Deines Kindes an den Bauch anwinkelst und die Pupse so rausstrampelst.
Bei „Zahnschmerzen“ kann ein gekühlter Beißring Linderung bringen. Ansonsten helfen leichte Mittelchen aus der Apotheke, die auf das Zahnfleisch aufgetragen werden.
Und jetzt?
Mit diesem Wissen sollte es Dir nun keine Sorge, sondern nur noch Freude bereiten, wenn Du mit Eurem Nachwuchs mal alleine bist.
Wenn Du noch weitere Tricks und Kniffe hast, z. B. wie Du Dein Kind beruhigst, freue ich mich über Deinen Kommentar.
Übrigens, die Idee zu diesem Beitrag stammt von einem Leser. Wenn Du auch mal eine Idee hast, über was ich schreiben könnte, schick mir doch eine e-mail an info { at } papa-online.com.
Das mit der Reizüberflutung ist natürlich schwierig. Denn die Babies werden mit so vielen neuen Eindrücken konfrontiert, dass eine gewisse Reizüberflutung sich wohl nicht vermeiden lässt. Muss auch gar nicht, denn so gewöhnen sie sich allmählich an die neue Umgebung.
Erkennen kannst Du es auch nur nach dem Abschlussverfahren. Wenn die übrigen Gründe für das Schreien nicht zutreffen, dann wird es wohl eine Reizüberflutung sein. Da müssen wir als Eltern wohl leider durch.
Es ist aber deutlich besser zu ertragen, als wenn Du Dir die ganze Zeit Sorgen machst, warum das Baby denn so schreit.
Hilft das?
Moin, interessanter Artikel. Du schreibst weiter oben, die häufigste Schrei-Ursache sei „Reizüberflutung“. Dazu finde ich nun aber gerade keine Diagnose und mögliche Lösung im Artikel. Wie stelle ich eine Reizüberflutung fest und was kann ich dagegen tun?
Nummer 5: dem Kind ist zu WARM !!!! Rote Bäckchen sind keine gesunde Gesichtsfarbe sondern ein wunderbares Zeichen, dass das Kind zwei, drei Kleidungsschichten weniger verträgt. Der erste Test: Griff in den Nacken – wenn der sich (zu) warm anfühlt, dann halt doch den Schneeanzug im Kaufhaus ausziehen 😉 – das Kind braucht es nicht Wärmer als der Vater (Mama friert ja eh ;)) … Wärme staut sich auch wunderbar zB im Kinderwagen (was bin ich schon an schreienden Babys/Kinder im Kinderwagen vorbei und dachte mir „Zieh das KInd aus !!!“). Auch Socken: weg mit denen wenn das Kind schreit.
Btw, eine Aussage wie „Schreien ist bei Babys normal“ würd ich machen: Babys schreien wenn ihnen etwas nicht passt – insofern ist es nicht normal. So ein Satz verleitet leicht zu „Ich lass es schreien weil es ja normal ist und Babys das machen“ – Neine sie wollen etwas und sie schreien lassen ist einfach nur gemein…
mir fällt zum Thema Bauchschmerzen noch ein: Wärme hilft auch sehr gut. Entweder eine von den flauschigen Babywärmflaschen (Achtung nicht ZU heiß) und bei unserem Sohn war der Renner: Föhn. Bauch föhnen und alles war gut. 😉 vielleicht hilfts ja auch bei anderen Babies.
Manche Artikel sind so gut, da gibt es wenig hinzuzufügen ;-).
Spaß beiseite, danke für die Ergänzung.
Der Fliegergriff hat bei uns auch schon häufig geholfen.
Wie geht das denn, ein Artikel hier ohne einen einzigen Kommentar!?
Apropo Schreien bei Schmerzen die oftmals von Bauchweh kommen und oder Blähungen.
Da hilft es dann auch gut wenn man sein Baby bäuchlings auf den Unterarm legt so das der Handballen leicht auf den Bauch drückt und es ein wenig schuckelt.
Der sogenannte Fliegergriff hat zumindest uns schon sehr häufig geholfen und hilft gerade auch wieder prächtig.